Jule

Ein kleiner Dackel -Terrier -Mix der es faustdick hinter den Ohren hat (naja langsam wird ein *hatte* draus in dem Alter)! Bekommen habe ich Jule mit einem halben Jahr, rotzfrech, unerzogen und mit der Meinung ihr gehört die Welt!

In den Anfängen unserer Zusammenarbeit hat sie mich sehr oft zur Verzweiflung gebracht! Oft dachte ich, warum tu ich mir diesen Hund an! Leine ab, ein paar Meter gelaufen, Spur gefunden/ Wild sprang auf und weg war Sie . Zwar nie wirklich lange (das längste waren 10 min) aber sie war weg. Zuerst war ich der Meinung den Jagdtrieb aus diesem Hund zu bekommen… ich probierte viel und lange…nichts half!

Ein Händchen für Hunde hatte ich, das wurde mir auch immer gesagt! Aber warum konnte ich anderen Leuten bei Ihren Hunden helfen und mir selbst nicht?!

Ich verstand es lange nicht, Jule war ein super Hund, wir hatten unsere Begleithundeprüfung mit voller Punktzahl absolviert, ich konnte sie überall mit hinnehmen, sie verhielt sich ruhig, war entspannt, aber das Jagen war einfach nicht raus zu bekommen! Ich nahm es dann auch lange Zeit einfach so hin, Jule kam halt nicht mehr von der Leine und wenn dann nur, wenn ich mir sich sein konnte das da keine Autos, Bulldogs oder sonstige Dinge dort fuhren!

Ja so ging das zu, bis ich beschloss meinen Trainerschein nach §11 zu machen. Diese Entscheidung veränderte nicht nur mein Leben sondern auch Jules! Ich lernte viel über die Denkweise der Hunde, ihr Verhalten, die Genetik, die Rassen und ihre Bestimmungen… und plötzlich wurde mir einiges klar, warum wieso weshalb!

>>Man kann nicht gegen See und Wellen anarbeiten. Wenn man in einen Sturm kommt, muss man ihn >abwettern<- ihn also annehmen und das Beste daraus machen<< ( Dr. Jan Uwe Rogge)

Ja genauso ist es! Mit die wichtigste Erkenntnis war, Jule so zu nehmen wie sie ist, zu akzeptieren das in diesem Hund nun mal gleich zwei sehr eigenwillige und selbstständige Jagdhunde stecken und das Jagen ein selbstbelohnendes Verhalten ist, das die Natur so vorgesehen hat, das die Wölfe nicht verhungern! Also was tun? Unterdrücken ging nicht, also versuchte ich es mit Gegenkonditionierung, Schleppleinen training, neuen Signale, viele neue Regeln, Gedult, Konsequents, dem Klicker und erstmal nur noch Futter aus der Hand! Die Spaziergänge wurden interessanter gestaltet ( neue Signale geübt, Suchspiele…), Futterschleppen gelegt und ausarbeitet und siehe da, der Erfolg kam nach und nach! Spuren werden komplett ignoriert und bei aufspringenden Wild hilft meist das Abbruchsignal!

Dieser ganze Aufwand hat sich gelohnt, nicht nur das Jule nicht mehr Jagen geht, die Spaziergänge sind entspannt und machen wieder Freude und das beste an allem, WIR sind ein Team geworden! Miteinander, nicht Gegeneinander! Und ja auch wenn es blöd klingt, Jule und Ich gehn inzwischen zusammen jagen, nämlich Mäuse, denn Erfolg schweißt zusammen!

>>Du musst wissen, was dein Hund tun soll, es reicht nicht zu wissen, was dein Hund nicht tun soll<<