Nockel

Mein damaliges Pflegepferd…

Nie hätte ich gedacht das ich mal soviel von einem Tier lernen kann wie von Ihm!

Der Spiegel meiner Seele, dieser Satz triffts auf den Punkt!

Keiner konnte mir besser zeigen was in mir vorgeht, dass etwas nicht stimmt, das ich in mich gehen soll und mich wieder gerade rücken muss! Keiner hat es je geschafft, dass ich derart über mich selbst hinaus gewachsen bin wie dieses Pferd, der mir mehr Selbstbewusstsein verschafft hat als ich mir je hätte träumen lassen!

Alles begann im August 2016. Nadine, meine Chefin kam auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht ein Pflegepferd haben möchte, sie hätte da eins, dass demnächst zu uns käme und jemanden bräuchte…

Ich habe lang überlegt, ich als nicht Reiter, die kaum Ahnung von Pferden hatte…. aber ich entschloss mich dazu es zu probieren. Die Herausforderung anzunehmen. Seine damalige Reitbeteiligung erzählte mir die reinsten Horrorgeschichten über Nockel… bloß nicht alleine Spazieren gehn, geschweige denn alleine Ausreiten.

Nun gut ich versuchte mein bestes, aber irgendwie wollte alles nicht so recht klappen. Klar mit den Geschichten über Ihn im Kopf und die prüfenden Blicke von Nadine im Nacken war ich immer sehr angespannt, bei der Arbeit mit Ihm. Er unsicher und nervös, ich unsicher und nervös, das konnte nicht klappen! Ich wollte schon aufgeben, was damals eigentlich schon nicht meine Art war, aber ich wusste einfach nicht mehr weiter…

Dann kam der Brand vor 2016, der alles veränderte!

Nockel hatte schon immer Probleme mit seinen Füßen und stand zu diesem Zeitpunkt einzeln abgetrennt im Strohbett um die Füße zu entlassten (Nockel übertrieb nämlich gern mal, was die Füße und die Bewegung anging).

Das Strohbett brannte komplett nieder, Gott sei dank konnte Johannes Nockel noch einigermaßen rechtzeitig befreien… beide erlitten dabei aber Verletzungen.

Nockel wurde damals in einen nahe gelegenen Stall gebracht wo ich Ihn täglich besuchte und versorgte, dort nahm dann alles gute seinen Lauf! Wir waren auf uns gestellt! Ich schafft es sein Vertrauen jeden Tag mehr und mehr für mich zu gewinnen! Als es Ihm dann besser ging beschloss ich mit Ihm spazieren zu laufen, da er in der Box nicht genügend Bewegung hatte.

Am Anfang kamen wir nicht weit, grad mal zur Stalltür raus. Dort war dann alles so neu und ungewohnt das er sich richtig reinsteigerte, also schauen lassen, abwarten und Sicherheit bieten. Das wiederholte ich fast täglich und immer wieder kamen wir ein paar Schritte weiter, ein paar Schritte weiter zum Erfolg. Manchmal kamen wir auch nur genauso weit wie am Vortag, aber dann hieß es eben Gedult haben. Wir hatten ja Zeit…Ich setzte mir ein Ziel, irgendwann eine komplette runde um den Stall und Tatsache, es kam der Tag an dem wir wirklich einmal komplett ohne Probleme um den Stall laufen konnten. Ich weiß noch als wäre es gestern gewesen, wie verdammt stolz ich war, auf Ihn und auf mich, dass wir dieses Ziel erreicht hatten und so geschah es, dass ich uns immer größere Ziele steckte, die wir nach und nach erreichten. Der Höhepunkt war, ich konnte mit Nockel zurück in den alten Stall laufen! Wir brauchten keinen Pferdehänger und keinen Fahrer, nein wir liefen zurück! Diese Gefühl, als wir dort angekamen, war unbeschreiblich schön!

Jetzt hatten wir auch die Basis und das Vertrauen zueinander, das wir miteinander arbeiten konnten! Nadine brachte mir das reiten bei, erst auf dem Platz die Grundkenntnisse, dann die ersten kleinen gemeinsamen Ausritte… Doch mit Nadine einen Zeitpunkt zu finden in dem sie für solche Sachen Zeit hatte, war schwer. Also beschloss ich eines Tages, das ich soweit war, allein mit Nockel reiten zu gehn. Das zu probieren wo es geheißen hat, dass es nie Funktioniert, dass es ein Himmelfahrtskommando ist! Aber Nockel hat mir gegenüber noch nie solche Sachen gemacht, die mir damals von der Reitbeteiligung erzählt wurden, also warum sollte er es jetzt tun?!

Am Anfang lief ich erst vom Stall mit Ihm weg und stieg dann erst auf, wenn es wieder nach Hause ging. Es klappte ohne Probleme! Also stieg ich immer früher auf, bis ich irgendwann schon am Stall aufstieg und mit Ihm ausreiten ging.
Ein wunderbares Gefühl :-), wieder was erreicht!

Und warum nun *Spiegel der eigenen Seele*?

Ganz einfach, ging es mir gut, war ich selbstbewusst und sicher, folgte er mir, machte was ich wollte! Ging es mir hingegen schlecht, zweifelte ich, war zu sehr mit mir beschäftigt, ging alles schief…Nockel braucht Sicherheit um selbst sicher zu werden. Also lernte ich mehr und mehr auf mich zu hören, mich zu fragen wie gehts dir gerade? Alles OK? Muss ich was ändern? Am Anfang machte ich das nur wenn ich auf dem Weg zu Nockel war, dann kam es ab immer häufiger vor, dass ich mich dabei erwischte wie ich es auch Zuhause tat, beim spazieren gehn… ich fragte mich immer öffter wie fühle ich mich und wie wirkt sich das auf meinen Gegenüber aus, sei es das Pferd, der Hund oder en anderer Mensch. Ich habe gelernt auf mich zu hören und mit meinen Gefühlen umzugehen. Auch bei Jule (meinem Hund) stellte ich Veränderungen fest, war ich gut drauf, war sie gern in meiner Nähe, hatte ich schlechte Laune, war sie meistens weit weg oder gar nicht erst zu sehen.

Noch eins der berührensten Erlebnisse die ich mit Nockel hatte war, als ich mich von meinem damaligen Freund getrennt hatte. Ich ging ziemlich aufgelöst, traurig und fertig zur Arbeit. Öffnete seine Box um sie sauber zu machen. Nockel stand auf seinem Paddock und fraß genüsslich sein Heu, als er ganz unerwartet auf einmal damit aufhörte, zu mir kam und seinen Kopf auf meine Schulter legte, als wolle er sagen, ich bin für dich da, alles wird gut!
Das sind Erlebnisse die man nicht vergisst und die von wirklicher Freundschaft, Vertrauen und Liebe geprägt sind!

>> Wer das Ziel kennt, kann entscheiden, wer entscheidet findet Ruhe, wer Ruhe findet is sicher, wer sicher ist kann überlegen, wer überlegt kann verbessern.<< (Konfuzius)